Ralph Bombis in Minden zu "Wirtschaftsstandort NRW"

Foto: Ralph Bombis, MdL NRW, Sprecher für Mittelstand und Handwerk der FDP-Landtagsfraktion

 

Der FDP-Mittelstandssprecher sieht Bildung, Infrastruktur und Bürokratie als Bremsen für mehr Wachstum und Wohlstand. Ralph Bombis kritisiert NRW-Klimaschutzgesetz und Hygiene-Ampel.    

 

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Minden. Im Kreis Minden-Lübbecke ist die wirtschaftliche Lage nicht besorgniserregend, die Wachstumskurve zeigt nach oben. Das verarbeitende Gewerbe rangierte 2016 wie in den beiden Vorjahren bei der Zahl der Beschäftigten und den Umsätzen OWL-weit auf Platz zwei hinter Gütersloh. Mit einem Umsatzplus von rund drei Prozent in 2016 gegenüber dem Vorjahr steht der Mühlenkreis vergleichsweise gut da, in OWL und vor allem bezogen auf ganz NRW. Gewaltige Probleme gebe es im Ruhrgebiet, der "früheren Power-Region des Landes", machte Hartmut Freise, Stadtverbandsvorsitzender der Mindener FDP, beim Liberalen Treff im Hotel Lindgart deutlich. Mit der Frage, was dran sei an der These, NRW sei der "kranke Mann Deutschlands", übergab Freise das Wort an Ralph Bombis, Landtagsabgeordneter und Sprecher für Mittelstand und Handwerk der FDP-Landtagsfraktion in Düsseldorf.

 

"Die Lücke zu den anderen Bundesländern wird größer" sagt Ralph Bombis, Gastreferent zum Thema "Wirtschaftsstandort NRW - Herausforderungen für den Mittelstand". Verschiedene Faktoren bremsten das Wachstum, und das gehe auf Kosten von Wohlstand und Lebensqualität der Menschen in NRW. Vor allem im Bereich Bildung, bei der Infrastruktur und der Bürokratie sieht der FDP-Politiker Handlungsbedarf.

 

"Bildung und Qualifikation sind Grundlagen für die Wirtschaft. Wir haben einen Fachkräftemangel", so der 45-jährige Vorsitzende der Enquete-Kommission "Handwerk und Mittelstand in NRW" und Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens im Bereich der stationären Pflege. Seine Forderung: "Gleichberechtigung von akademischer und beruflicher Ausbildung." Und: "Wirtschaftsunterricht als Bestandteil an Regelschulen."

 

Schule konzentriere sich heute nicht mehr so auf Basiskompetenzen wie in früheren Jahren, sagt Bombis und veranschaulicht die Auswirkungen anhand der Erfahrungen, die ihm ein Herford Unternehmer geschildert hat. Der habe 1982 einen Einstellungstest entwickelt. Bewerber, die den Test mit einer Quote von 90 bis 95 Prozent bestanden hätten, habe der Unternehmer eingestellt. "Im Jahr 2016 wurde genommen, wer 65 Prozent erreichte."

 

Wichtig sei, Kindern das Rüstzeug mitzugeben, um ihr Leben frei und unabhängig gestalten zu können. Lehrinhalte wie Internet- und Vertragsrecht und wirtschaftliche Grundlagen wie das Prinzip von Angebot und Nachfrage zu vermitteln, hält er für unabdingbar. "Schulen sind auch Einrichtungen, die Kindern wirtschaftliche Zusammenhänge vermitteln sollen", ist Ralph Bombis überzeugt.

 

Ein weiteres großes Thema um der Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen, sei die Verbesserung der Infrastruktur. Zum einen im Bereich Straßen und Verkehr. Persönliche Lebensqualität gehe für all jene verloren, die auf dem Arbeitsweg ständig im Stau stünden, wie er es im Kölner Raum erlebe. "Und der Wirtschaft gehen Werte verloren", so Bombis. Er fordert ein Baustellenmanagement und die Verkürzung von Genehmigungsverfahren im Straßenbau.

 

Auch im Bereich der Digitalisierung liege noch einiges im Argen, um den Wirtschaftsstandort NRW zu stärken. "Beim Breitbandausbau bewegen wir uns zwischen Mittelalter und Neuzeit", kritisiert der Landtagsabgeordnete insbesondere den Einsatz von Vectoring-Technik anstelle eines flächendeckenden Glasfasernetzes, das er befürwortet. "Anders brauchen wir über Digitalisierung 4.0, über Handwerk 4.0 und Gesellschaft 4.0 nicht zu reden."

 

Bessere Ausgangsmöglichkeiten zu schaffen, fordert der Liberale auch bei den Rahmenbedingungen für Unternehmen. Unter anderem warnt er vor einer Bürokratisierung zu Lasten von Handwerksbetrieben und mittelständischer Industrie. Als Stichworte nennt er hier das NRW-Klimaschutzgesetz und den Landesentwicklungsplan sowie die umstrittene Hygiene-Ampel, in seinen Augen "kein Verbraucherschutz, sondern Verbrauchertäuschung" auf Kosten der Betriebe und eine weitere Wachstumsbremse.

 

Quelle: Mindener Tageblatt vom 14.04.2017

 

 

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