Einsatzbereitschaft der Bundeswehr

Einsatzbereitschaft der Bundeswehr 

Veranstaltung der FDP Minden am 26.02.2019

 

Was zu Beginn der 60´er Jahre noch zu einer veritablen Verfassungskrise und Verabschiedung des Verteidigungsministers F.J. Strauß führte, war Thema einer kürzlichen Abendveranstaltung, der FDP Minden. 

 


Vermutete der damalige Bundeskanzler Adenauer noch einen Abgrund von Landesverrat hinter einer Story des SPIEGEL (Bedingt abwehrbereit), so wurde nun öffentlich und unaufgeregt über die seit langem bestehenden Probleme der Bundeswehr gesprochen. 

 

In seiner Einführung stellte Stadtverbandsvorsitzender Hartmut Freise u.a. fest,  dass die Bundeswehr den erkennbaren Rückhalt in der Bevölkerung verdient habe. Die offensichtlichen Probleme ließen erhebliche politische, wie organisatorische Defizite erkennen, die man endlich zielführend in den Griff nehmen müsse und verwies dabei u.a. auf den kürzlichen Bericht des Wehrbeauftragten zur Lage der Bundeswehr. 

 

„Zu viel Bürokratie, zu wenig Ausrüstung“, so dessen Fazit, und Andre Wüstner, Vorsitzender Deutscher Bundeswehrverband, meinte unlängst: 

„Die Bundeswehr ist, gemessen am Auftrag, im schlechtesten Zustand seit 1990“

 

    • Panzer, die nicht rollen

    • Flugzeuge, die nicht fliegen, zu teuer sind oder zu spät verfügbar 

    • Schiffe, die fehlen, oder nicht einsatzbereit sind 

 

Dieser Eindruck ist offenbar berechtigt. So stellte Fregattenkapitän Marco Thiele, Vorsitzender des Bereichs Marine im DBwV (gebürtiger Mindener) in einem Interview im Oktober 2018 fest: 

„Es ist nicht so, dass wir uns die Schwimmwesten teilen müssen, aber man greift sich oft an den Kopf. So besitzt die Marine 6 U-Boote, aber seit Jahren fährt keines.

Neben Christian Sauter, FDP MdB / Mitglied Verteidigungsausschuss berichtete Thiele ausführlich über die anhaltenden Probleme. Beide kritisierten massive Ausrüstungsprobleme und eine nicht funktionierende Materialwirtschaft. 

 

Die Ursachen dafür sahen beide auch in der Entspannungsphase Anfang der 90´er Jahre und dem  damals eingeleiteten  Schrumpfungsprozess.

So habe die BW heute noch etwa 1/3 der Stärke von 1990. So haben die Ausgaben nicht mit der Entwicklung Schritt gehalten. Benötigte Ersatzteile wurden oft so lange wie möglich aus ausgemustertem Gerät ausgebaut, um am Ende vor dem Problem langer Lieferzeiten zu stehen. Erst mit Annektion der Krim begann ein Umdenken. So benötigt die Bundeswehr zwar deutlich mehr Geld, um ihren Aufgaben aus zahlreichen Auslandseinsätzen und Bündnisverpflichtungen zuverlässig nachkommen zu können.

 

Dennoch - mehr Geld alleine wird die Probleme der Bundeswehr nicht lösen. Kritisiert wurde eine ausufernde Bürokratie im Beschaffungsbereich, wie im Verteidigungsministerium. Resumee Thiele: „Irgendwie funktioniert es zwar, aber eben nur irgendwie..“ Im Anschluss ergab sich eine lebhafte Diskussion mit den zahlreichen Anwesenden, darunter offenbar nicht wenige mit einschlägigen Erfahrungen. 

   


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