Neugründung einer Sekundarschule um jeden Preis

 

Die Sitzung des Bildungsausschusses am 25.06.2019 wurde zur Herausforderung, auch angesichts der herrschenden Temperaturen.

 

Jetzt hatten wir also den wärmsten Juni seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen und ein super-heißes Wochenende. Dennoch gilt es, in der politischen Arbeit kühlen Kopf zu bewahren, was angesichts der Temperaturen in Sitzungsräumen einerseits und Komplexität einiger Themen zugegebenermaßen schon mal zur Herausforderung werden kann. Die Sitzung des Bildungsausschusses am 25.06.2019 war so ein Fall.

 

Neugründung einer Sekundarschule um jeden Preis – oder

Das Pferd ist tot – Warum wollen Sie es noch satteln?

 

Dieser Tagesordnungspunkt sorgte erwartungsgemäß für zahlreiche Gäste und massive Kritik an den Plänen der Verwaltung, die Käthe-Kollwitz-Realschule (KKS) in eine Sekundarschule umzuwandeln. Zwar sollte noch nicht die Abstimmung zur Umwandlung in eine neue Schulform  stattfinden, sondern zunächst eine Stellungnahme der Schulkonferenz eingeholt werden, jedoch die Begründung der Stadt dafür verdeutlichte die eigentliche Absicht.

 

Es war es die Leiterin der von-Vincke-Realschule, die inhaltlich überzeugend gegen die Sekundarschule  argumentierte. Demnach konnte die Sekundarschule offensichtlich nicht die Erwartungen der früheren Landesregierung erfüllen und steht nun zunehmend vor Problemen; so z.B. in Höxter, Paderborn und Bielefeld.

  

Ähnlich äußerte sich der Sprecher des Lehrerrats der ´Käthe´ im Rahmen der dafür eingeräumten Sitzungsunterbrechung mit u.a. folgenden Argumenten:

 

1. Das Kollegium der Käthe-Kollwitz-Realschule hat sich mehrheitlich für die Beibehaltung der jetzigen Schulform ausgesprochen.

 

2. Eltern und andere Kommunen in NRW lehnen die Gründung weiterer Sekundarschulen, deren Zahl von Jahr zu Jahr sinkt, ab. Sollten 2013 noch 39 solcher Schulen ans Netz gehen, so tendiert die Zahl 2019 gegen Null. Dem gegenüber steht die vermehrte Gründung von Realschulen.

(Im übrigen bestätigt dies eine Elternbefragung in Minden aus dem Jahr 2015. Dort votierte kaum jemand für  die Schulform Sekundarschule. Im Gegenteil: die Realschule wird gewünscht.)

 

3. Die Neugründung einer interkommunalen Hauptschule bietet genau die Möglichkeiten, derer sich die Stadt mit dem Beschluss zur auslaufenden Schließung der Hauptschule Todtenhausen beraubt hat, nämlich ein attraktives und umfassendes Schulangebot, das allen Kindern gerecht wird.

 

4. Das Kollegium der KKS spricht sich deshalb für den Erhalt der jetzigen Schulform und den Erhalt der bestehenden vielfältigen Schullandschaft in Minden aus.  

 

„Wir haben 3 Gymnasien, 2 Realschulen, 1 Gesamtschule und die Primusschule.

Wozu nun auch noch eine Sekundarschule?“ , so seine berechtigte Frage.   

 

„Das Pferd ist tot, warum wollen Sie es auch noch satteln?“ dieser Ausruf eines Teilnehmers sorgte nicht nur für Heiterkeit, sondern spontanen Applaus. Die Beigeordnete gab sich davon unbeeindruckt und wies noch einmal darauf hin, was die Einführung der Sekundarschule für mehr Bildungsgerechtigkeit und individuelle Förderung bedeute.

 

Fazit: Erkennbare Ablehnung durch Vertreter der Schullandschaft und eine Beigeordnete, die, unterstützt durch den Sprecher der SPD, entschlossen ist, ihre Vorstellungen durchzusetzen.

 

Bleibt die Frage, wem das am Ende wirklich nützt – und wer auf der Strecke bleibt.

 

Die Schulform Hauptschule wird eindeutig weiter benötigt, zumal derzeit 104 Schülerinnen und Schüler aus Minden nach Espelkamp an die Bischof-Hermann-Kunst-Schule gefahren werden, die letzte Hauptschule im Kreis, neben Todtenhausen, die aber bekanntlich in zwei Jahren ihre Türen schließen soll. 

 

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Nachdem die Leiterin der KKS sich während der Sitzung in Schweigen hüllte, ist es offensichtlich nun an der Zeit, sich vor ihr Kollegium zu stellen und dessen Beschluss öffentlich anzuerkennen.

 

Denken wir NEU – das gilt auch für Mindens Schullandschaft.

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